Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht so wenig...

In Benneckenstein hat das Silvestersingen eine lange Tradition. Kinder ziehen am letzten Tag des Jahres durch die Straßen, um Verwandten und Bekannten einen kleines Ständchen zu bringen, Glück für das neue Jahr zu wünschen und um dafür kleine Geschenke entgegenzunehmen. Noch heute ertönen in den Hausfluren vereinzelt die Melodien von „Eine goldene Schnur geht um das Haus", „Drei Rosen" oder „Ich bin ein kleiner König".

Da mutet es schon einigermaßen erstaunlich an, zu erfahren, dass in früheren Jahren das Silvestersingen in anderen Gegenden keineswegs so wie in Benneckenstein gepflegt wurde. In der benachbarten Grafschaft Wernigerode zum Beispiel waren gar die musikalischen Neujahrsgrüße der Kinder als „Bettelei" eingestuft und somit gesetzlich verboten.

Übertretungen wurden mit bis zu zwei Talern Strafe oder auch mit Gefängnis geahndet! Dem zugrunde lag eine Herrschaftliche Verordnung vom 22. März 1790, die das „...Neujahrssingen sowohl in als vor den Häusern..." bei genannter Strafe untersagte. Der Wernigeröder Polizeirat stützte sich, als er am 24. Dezember 1828 mit Nachdruck an diese Verordnung erinnerte, an das so genannte „Armen-Edict" vom 2. Januar 1750, welches „...die Austheilung von Gaben an Haus- und Straßenbettler aller Art" verbot. Der Polizeirat forderte die Bürger auf, „...keinem Sänger eine Gabe zu verabreichen, sondern sie behufs der wohlverdienten Bestrafung namhaft zu machen" Wer sich mildtätig erweisen wolle, der solle besser der bedürftigen Armenkasse eine Spende zukommen lassen.

Heute sind, wie gesagt, die Umgänge der kleinen Sänger seltener geworden. Stattdessen hat sich eine neue, aus Amerika importierte Gewohnheit eingebürgert: Halloween. Auch hier bilden kleine Geschenke die Motivation für die Kinder. Der Unterschied ist nur, dass jetzt dem Nachbarn kein Ständchen mehr dargeboten wird, sondern nur die Aussicht auf etwas „Saures", falls er freiwillig nichts Süßes gibt.

Jürgen Kohlrausch