Tourismus: Die kleinen Dinge entscheiden

Nach den ergiebigen Schneefällen Anfang des Jahres gab es ab Mitte Januar bis Anfang Februar Traumwetter in Sachen Wintersport. Der Harz war quasi überlaufen – und auch nach Benneckenstein zog das viele Gäste. Unter anderem eine Familie aus Hannover. Die größte Herausforderung bei dem Ausflug sollte eine Notdurft werden.

Strahlend blauer Himmel und im gesamten Harz eine Schneehöhe von über einen halben Meter zog unzählige Touristen und Tagesausflügler an. Nicht selten ging in den Skigebieten sehr früh am Morgen nichts mehr und es mussten Straßen gesperrt werden. Davon ließ sich die Familie Schumacher aus Hannover nicht abschrecken und kämpfte sich nach Benneckenstein durch. Ein Ziel war der Schlepplift in der Unterstadt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wurde der gefunden und fleißig gerodelt.

Gegen Mittag wollte die Familie weiterfahren. Davor musste die dreijährige Tochter auf Toilette. Am Schlepplift gab es die nicht und die Suche ging im Ort weiter. Am Friedrich-Ebert-Platz sollte das Schild „LPG“ die Erlösung bringen. Natürlich nicht ahnend, dass es sich hier um keine Tankstelle im eigentlichen Sinn handelt. Am „Haus des Gastes“ und im Supermarkt „NP“ der nächste Versuch. Aber auch hier Fehlanzeige. Inzwischen suchte eine weitere Frau nach einer Toilette. Im Supermarkt folgte der Hinweis, es beim „Café Werner“ zu versuchen, was ebenso misslang. Zwar war jemand im Café, das aber noch nicht geöffnet hatte. Auf eine Ausnahme konnte man sich nicht einigen. Mit der anderen Frau im Schlepptau wurde versucht eine Toilette zu finden, was misslang.

Kurz darauf ging es – das Kind musste mittlerweile dringend – Richtung Hallenbad, was zum dem Zeitpunkt wartungsbedingt geschlossen war. Der Bahnhof war das neue Ziel. Hier wurde die Tourist-Information samt Toilettenzeichen entdeckt. Die letzte Hürde sollte der Schlüssel in der Information sein. Dumm nur, dass es bereits 12:30 Uhr war und die Information um 12 Uhr schließt. Auch hier waren sie nicht die Einzigen, die versuchten, einen Schlüssel für die Toilette zu ergattern. Als nächstes Idee kam der Familie: Mit einem Anschluss an die Harzer Schmalspurbahn müsste am Bahnhof eine öffentliche Toilette sein. Dem ist leider nicht so, da die Besitzer seit Jahren verschollen sind und seit dem sich am Bahnhof gar nichts mehr tut. Eine Toilette gibt es da somit auch nicht.

Die Tochter machte nun sehr deutlich, dass es mit der Toilette nun wirklich dringend sei. Auf dem Weg zu einem der Hotels lernte die Familie den Besitzer des „Hotel zur Brockenbahn“ kennen. Er war der Unfallgegner der Familie Schumacher an der Ecke Bahnhofstraße/Gallenberg. Der Vater hatte in der Hektik ein von links kommendes Auto übersehen. Er war es dann, der eine Toilette zur Verfügung stellte.

Was bleibt ist die Suche nach einer Toilette – und nicht der Spaß beim Rodeln

„Der Tag hatte wirklich schön angefangen, die Kinder hatten viel Spaß am Rodellift“, schrieb Ingo Schumacher in einer E-Mail an Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz am Brocken sowie an diese Internetseite. “Leider hat die Suche nach einer Toilette in Benneckenstein alles verändert“, so Schumacher weiter. Den Besuch beim Schlittenhunderennen, der für Samstag geplant war, wurde auf Sonntag verschoben und merkte an, dass die Beschilderung zu der Veranstaltung und den Parkmöglichkeiten an der einen oder anderen Stelle ausbaufähig sei.

In einem Gespräch nach der E-Mail wurde erläutert, dass es nicht die Stadt Oberharz am Brocken ist, die solche Veranstaltungen organisiert und das finanzielle Risiko trägt und dies Vereine übernehmen, weil die Stadt zu klamm ist uns es nicht darf. Wenn die diese Aufgabe nicht übernehmen, würde es kein Schlittenhunderennen geben.

Zurück zur Toilette. Auf Nachfrage bei der Stadt wurde bestätigt, dass die Toilette an der Tourist-Info zu den Öffnungszeiten zugänglich ist. Gleiches gilt für die Toiletten im Harzbad, was allerdings aufgrund der jährlichen Wartung im Winter und der Dachproblematik bei Schnee keine Alternative ist. Insofern dürften Überlegungen, die Toiletten an der Tourismus-Information am Bahnhof Rund um die Uhr zugänglich zu machen, eine Alternative darstellen. Eine Umrüstung des Zugangs gegen ein Entgelt ist zum einen üblich und dürfte zum anderen nicht an Haushaltssicherungskonzepten der Kommune scheitern.

So waren das Wetter und die Schneelage an diesen Tagen perfekt. Die Rahmenbedingungen dafür nicht. „Ich hatte gedacht, dass bei dem Angebot in Benneckenstein die Infrastruktur etwas besser sei“, so Schumacher.