Harzbad: Ohne Schnee darf geschwommen werden

Das Harzbad öffnet nach einer Generalüberholung der Technik am 22. Februar wieder seine Türen. Am Hauptproblem: die notwendigen Sanierungsarbeiten am Dach sind nach wie vor ungelöst. Es steht nur fest, dass sie durchgeführt werden müssen – und mindestens eine Million Euro kosten. Woher das Geld kommen soll, ist ungeklärt.

An sich ist die Nachricht der Wiedereröffnung des Harzbades eine gute Nachricht. Paradoxer Weise muss drauf gehofft werden, dass in den nächsten Wochen kein Schnee fällt. Ansonsten kann das Bad von heute auf morgen wieder geschlossen werden, weil die Konstruktion Feuchtigkeit gezogen hat und Statiker keine Garantie dafür übernehmen wollen, dass das Dach hält – wenn Schnee darauf liegt. Benneckenstein und der gesamte Harz hat von der Schneelage in Sachen Tourismus in den letzten Wochen mehr als profitiert.

Die verzwickte Lage hat Ende des letzten Jahres eine Bürgerinitiative entstehen lassen, die neben der Stadt Oberharz am Brocken versucht, das Land Sachsen-Anhalt in die Pflicht zu nehmen, das Harzbad als touristisches Aushängeschild dar stehen zu lassen und so die notwendigen Mittel nach Benneckenstein zu locken. Die Stadt selber ist dazu aufgrund der finanziellen Lage nicht in der Lage. Wie bereits mehrfach erwähnt, befindet sich die Stadt Oberharz am Brocken in einem sogenannten Haushaltssicherungskonzept und darf nur zwingend notwendige Ausgaben leisten. Der Erhalt von Freizeit- und Tourismuseinrichtungen in einem strukturschwachen Gebiet, was auf Tourismus angewiesen ist, zählt hier zu nicht.

Die „Initiative zum Erhalt des Harzbades“ hat aus diesem Grund eine Petition an den Landtag von Sachsen-Anhalt geschrieben. Gleichzeitig gingen die Argumente an die im Parlament vertretenden Parteien. Der Petitionsausschuss hat eine Stellungnahme der Landesregierung angefordert, die der Initiative am 14. Februar mitgeteilt wurde.Darin heißt es, dass die Stadt den Anteil der touristischen Gäste auf derzeit rund 20 Prozent schätzt und die Gästezahlen mit einer Sanierung inklusive Erweiterungsbau von derzeit 4.000 Gästen auf 12.000 Gäste gesteigert werden könnte. Diese Baumaßnahmen sind mit ca. 10 Millionen Euro veranschlagt.

Eine Förderfähigkeit des Landes wird derzeit nicht gesehen, da das Harzbad überwiegend nicht touristisch genutzt wird. Hierfür müssten mehr als 50 Prozent der Gäste Touristen sein. „Damit habe das Harzbad nur eine touristisch ergänzende Funktion“, heißt es in der Stellungnahme der Landesregierung. Da der Vereinssport nur eine untergeordnete Rolle spielt, kommt auch keine Förderung als Sportstätte in Betracht. Ebenso stünden nicht genügend Mittel zur Verfügung, da auch andere Projekte in der Planung seien.

Daneben müsste die Stadt Oberharz am Brocken auch einen Eigenanteil an der Förderung leisten (je nach Fördersatz und besonderem Landesinteresse bei einem Volumen von 10 Mio. Euro zwischen 2 und 4 Millionen Euro), dass sie derzeit nicht kann – und vor allem nicht darf. Bisher ist nur vorgesehen, das Thema in einer der kommenden Sitzungen des Petitionsausschusses zu „behandeln“. Dabei bleibt es abzuwarten, ob das nur ein Papiertiger bleibt. In der Landesregierung als Thema richtig angekommen ist es damit bei weitem noch nicht. Hierzu müsste es zumindest im Wirtschaftsausschuss des Landtags platziert werden.

Mit der Stellungnahme der Landesregierung wird aber auch deutlich, dass die Stadt Oberharz am Brocken ihre Hausaufgaben in Sachen Tourismus nicht erledigt hat. Wenn selbst von der Stadt einer von fünf Gästen als Tourist auserkoren wird, lässt sich das Harzbad nicht als den herausragenden Anlaufpunkt für jene Gäste darstellen. Das hat auch der Stadtrat in einer der letzten Sitzungen thematisiert. Die Werbung für das Bad und deren Angebote müsse viel breiter werden und auch im Layout mit dem des Tourismusbetriebes der Stadt angepasst werden.
Dass es seit dem 20. Februar eine eigene Facebook-Seite des Harzbades gibt, geht mit Sicherheit in die richtige Richtung. Warum dagegen keine Bündelung beim Tourismusbetrieb der Stadt Oberharz am Brocken als ein – oder besser gesagt: der Anlaufpunkt – erfolgt, bleibt ebenso unklar.