Wenn Vereine den Veranstaltungskalender füllen

Oftmals lässt sich auf den ersten Blick gar nicht sehen, was Vereine, Initiativen oder einzelne Personen an ehrenamtlichem Engagement leisten. Den Facetten sind keine Grenzen gesetzt. Neu ist: Vereine springen für die staatlichen Institutionen ein. Auf Unterstützung dürfen sie dabei nicht hoffen – ganz im Gegenteil. Ein Beispiel eines Vereines, den man im in gewisser Weise zwang sich zu gründen.

Mit der Gemeindegebietsreform des Landes Sachsen-Anhalt im Jahr 2010 wurde die Stadt Oberharz am Brocken gegründet.  An sich war die Idee gar nicht schlecht. Bis dahin versuchte jede Kleinststadt im Ostteil des Oberharzes  sich touristisch zu vermarkten, Arbeitsplätze zu schaffen und gegen den demografischen Wandel Akzente zu setzen. Das war für alle teuer. Und irgendwann kam die Erkenntnis: So richtig etwas bewegt bekommt niemand mehr.

Mit dem Zusammenschluss von mehreren Orten zu einer Stadt bestand durchaus die Möglichkeit neue Wege zu gehen. Dumm nur, dass alle Orte ihre Schulden mitbrachten und dabei wieder quasi kein Spielraum für neue Ideen bestand.

Auch für Benneckenstein hatte das Folgen. Das Harzbad stand mehrmals auf der Kippe, das Bürgerbüro hat nur noch stundenweise geöffnet, die Tourist-Information ebenso und überregionale Veranstaltungen wie das Schlittenhunderennen und das Finkenmanöver drohten von der Bildfläche zu verschwinden.

Diese und viele andere Veranstaltungen existieren nur noch, weil Vereine als Veranstalter und Organisator agieren. Ein solcher Verein ist der „Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Benneckenstein e.V.“. Mit dem Neubau der Feuerwache am Sandbrink bestand für die Alte Feuerwache hinter der Kirche auf den ersten Blick keine Verwendung mehr. Zudem war das Haus von der Bausubstanz in die Jahre gekommen. Von der Stadt war an keine Unterstützung für die Nachfolgenutzung zu denken.

Dort sprang der Verein als erstes ein und pflegt das Gebäude  - und saniert es dort, wo es finanziell zu vertreten ist. Daneben taten sich schnell weitere Felder auf: So organisiert er das jährliche Schlittenhunderennen, die Laurentiade und hilft bei etlichen Veranstaltungen auf unterschiedlichste Weise mit. Allein in Benneckenstein könnten zig Vereine aufgezählt werden, die auf ihrem Themenfeld enorm viel leisten. Zu bezahlen ist das nicht. Das ist auch nicht der Antrieb derer, die sicht engagieren.

Da der Stadt auch weiterhin das Geld fehlt, besteht die Landesregierung von Sachsen-Anhalt darauf, dass weitere Punkte eines Sanierungskonzeptes umgesetzt werden. Unter anderem sollen finanzielle Zuschüsse an die Vereine gestrichen werden. Mittlerweile wird auch in den politischen Lagern erkannt, dass es ohne bürgerliches Engagement nicht geht. Bleibt die Frage: Wie viele Nackenschläge verträgt jeder Einzelne, der in Vereinen oder Initiativen seine Zeit investiert? Der Antwort kommt man wieder näher, wenn den Vereinen tatsächlich die Zuschüsse gestrichen werden.