„Trotz Pleite und Stillstand zeigt der Ort heute sein bestes Aussehen“

Ronald Langer im Einsatz (Foto: Kühne)

Seit Jahren dokumentiert Ronald Langer die Entwicklung und die aktuellen Ereignisse von Benneckenstein mit seiner Videokamera. Dabei sind schon zahlreiche Filme über sein Heimatort und den Harz entstanden. Da stellt sich die Frage: Was treibt ihn eigentlich an?

Herr Langer, in und um Benneckenstein dürfte es wahrscheinlich niemanden geben, der Sie noch nicht mit einer Videokamera gesehen hat. Wie sind Sie dazu gekommen?

Erste intensive Begegnung mit Filmen hatte ich während meiner Diplomarbeit. Dies war ein Lehrfilm über Stoßionisation im Format super8. 25 Folien pro Sekunde wurden dort abgefilmt. Auch die Filmentwicklung lag in meiner Hand. Schmalfilm war aber kein sehr komfortables Medium. Nach der Wende begann ich alle Orte in der Welt aufzusuchen, die in meinen Vorträgen über Weltall und Ufo's eine Rolle spielten. Das wurde alles mit der Videokamera festgehalten und bearbeitet. Aus dieser Zeit stammt auch der Titel „TRANS WORLD VIDEO", der manchmal verwundert, weil er hier meistens vor „Heimat produktionen" steht. Seit 2003, also schon im digitalen Zeitalter, beschäftige ich mich intensiver mit Benneckenstein und dem Harz.


Mit der Zeit sind sehr viele Filme entstanden. Wissen Sie, wie viele es genau sind?

Es sind etwa 360 komplette Filme mit Cover und Labelaufdruck. Dazu kommen noch über 1000 DVD's auf denen kurze Streifen über einzelne Ereignisse sind. Außerdem Digitalisierungen von Schmalfilm, VHS und video8 – Material, Urlaubs-Diashows,TV-Mitschnitte usw.


Cover der aktuellen DVD von Ronald LangerDurch Ihre Arbeit sehen Sie an manchen Ecken genauer hin. Ist Benneckensteiner in der Zeit Ihrer Dokumentation schöner geworden?

Das kann man eindeutig bejahen. Wir projizieren alte Erinnerungen gern in ein Benneckenstein, wie wir es gerade sehen. Wenn man Schmalfilme um die Wendezeit oder auch schon digitale Videos, die erst 10 Jahre alt sind, sieht, stellt man fest, wie grau und trist es an vielen Ecken aussah. Trotz Pleite und Stillstand zeigt der Ort heute sein bestes Aussehen in der Geschichte. Der neue Film „Benneckenstein - Ein Kurort stellt sich vor" zeigt das eindrucksvoll.


Haben Sie ein Lieblingsmotiv?

Die bunte Stadt im Herbst mit Fachwerkhäusern, Sonnenaufgängen und den Herbstveranstaltungen.


Mit Sicherheit gibt es Nachbestellungen von älteren Filmen. Haben Sie die Filme in irgendeiner Form gesichert?

Von jedem Film existiert ein Sicherungsexemplar. Außerdem sind von jedem Film die Daten für Cover, Label und der Film selbst als Imagedatei mehrfach gesichert. Jeder Film kann also jederzeit nachbestellt werden.


Was für ein Datenvolumen kommt bei den Sicherungen zusammen?

8 Terabyte (TB) Daten sind auf 15 externen Festplatten, in Rechnern sind etwa 10 TB vorhanden, die zu 80% mit Daten belegt sind. Mein gesamtes Rohmaterial liegt ebenfalls auf Originaldatenträger vor. Hinter einem Filmprojekt steckt jede Menge Zeit und vor allem Arbeit.


Wie lange dauert es, eine DVD von beispielsweise 45 Minuten zu produzieren?

Das ist sehr unterschiedlich. Wenn ich in den 45 Minuten noch Bilder oder Filmmaterial verarbeite, die erst digitalisiert werden müssen bzw. noch einige Effekte verwende, kommen leicht 50 Stunden zusammen. Ebenso, wenn die 45 Minuten aus fünf Stunden Rohmaterial entstehen sollen. Für eine Minute Werbefilm nach Kundenwunsch sind auch schon 64 Stunden zusammengekommen. Ebenfalls extrem aufwendig war der Film über „20 Jahre Heimatverein", da viele Bilder und Filmdokumente verwendet wurden. Damit ist er auch ein Stück Geschichtsfilm über Benneckenstein geworden.


Sie sind auch immer auf der Suche nach Schmalfilmen. Tauchen noch Schätze auf?

Ich habe etwa 20 Minuten neues Material und ein Benneckensteiner will mir seinen Schmalfilmschatz noch zugänglich machen. Es existiert aber mehr, was irgendwann leider entsorgt wird.


Das Internet verdrängt immer mehr klassische Medien – auch die DVD. Merken auch Sie eine Trendwende?

Eigentlich nicht. Ich bin schon froh, dass niemand mehr ein Video haben will und die Blue Ray-Zeit kann ich getrost überspringen. Außerdem sind meine Filme zu regional angesiedelt. Ein Teil der Kunden entscheidet sich noch für den „klassischen" DVD-Weg. Produkt- und Werbefilme von mir laufen aber auf den Internetseiten der Firmen.


Haben Sie schon Pläne für neue Filme?

Die gute Nachricht vorweg : Einen Jahresrückblick – Bilder 2013 wird es wieder geben. Das Projekt in dieser Form war aufgegeben. Meine berufliche Situation hat sich jedoch so verändert, dass ich schwerpunktmäßig Filme produziere. Dadurch ist genügend Material vorhanden. Das wäre aus Kostengründen nicht mehr möglich gewesen. Ansonsten aktualisiere ich weiter den Benneckenstein-Film, der mittlerweile fast 200 mal verkauft wurde, obwohl er erst 8 Wochen in den Geschäften liegt. Nach der Schmalfilmzeit soll der Zeitraum 1989 bis 2000 ins Visier genommen werden.

Vielen Dank für das Interview.


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