Nach 67 Jahren: Volkschor löst sich auf

Letzte Probe des Volkschores (Foto: Kohlrausch)Der demografische Wandel und das Abwandern von jungen Einwohnern erschwert immer mehr das Vereinsleben. Der Benneckensteiner Volkschor, der seit 1946 besteht, wird sich zum Ende des Jahres auflösen. Gründe hierfür: Kein Geld und kein Nachwuchs. Dabei könnte es in Zukunft noch viele Vereine treffen.

„Bereits zur Versammlung am Jahresanfang hatte ich auf die großen Schwierigkeiten unseres Chores hingewiesen. Nun haben sich die Sorgen leider bewahrheitet", sagte Vorsitzender Karl-Heinz Klauser. Bei der Abstimmung hoben die 22 Anwesenden schweren Herzens die Hände. Damit war die Vereinsauflösung zum Ende des Jahres beschlossen. Treffen wollen sich alle weiterhin.

Mit dem letzten Vortrag, „Lieder, die von Herzen kommen", endete nicht nur die 67-jährige Ära des Volkschores, sondern auch die in Benneckenstein sehr ausgeprägte Tradition der Gesangvereine, in denen das klassische deutsche Volkslied seit 1835 gepflegt wurde. Zeitweise waren laut Chronik bis zu fünf Gesangsformationen gleichzeitig tätig.

Gerda Schneemann, seit 1958 im Chor, verlas ein „Rezept für Zufriedenheit". Annetraut Müller, Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins, bedankte sich im Namen aller Benneckensteiner ebenfalls mit bewegten Worten für die großartigen Leistungen des Chores und die vielen Auftritte. „Ihr habt Großartiges geleistet." Sie gab zu Bedenken, dass die Auflösung des Volkschores vielleicht erst der Anfang eines Vereinssterbens sein könnte.

Benneckensteiner Volkschor - eine Chronik

Der Volkschor wurde im Frühjahr 1946 von Lehrer Hans Becher mit den Worten „Kommt und singt wieder" in mühevoller Kleinarbeit gegründet und aufgebaut. Der Krieg hatte große Löcher in das Vereinsleben der Chöre Benneckensteins gerissen. Dadurch setzte sich der neue Chor aus allen noch sangesfreudigen Damen und Herren, vor allem aus den ehemaligen Vereinen „Frauenchor" und „Liederkranz", zusammen.

Dies schaffte er mit gutem Stimmenmaterial bald auf 50 aktive Mitglieder. Nach dem viel zu frühen Tod am 06. August 1984 von Herrn Becher ging dem Volkschor nicht nur der Leiter sondern auch das wichtigste Bindeglied verloren. Die Chormitglieder hielten jedoch weiterhin fest zusammen, was auch dem damaligen Vorsitzenden, Herrn Ferdinand Simon, zu verdanken war.

Von 1985 – 1987 leitete der Arzt Herr Conrad Wiesner den Volkschor. Mit großem Engagement konnte die Vorsitzende Frau Gerda Schneemann den Diplomdirigenten, Herrn Norbert Duve aus Wernigerode, als neuen musikalischen Leiter des Volkschores gewinnen.

Schnell hatte er die Herzen der Sängerinnen und Sänger erobert und machte so manche Übungsstunde zu einem Erlebnis. Viele erfolgreiche Auftritte gestaltete der Chor vor der Wende 1989 und in der darauf folgenden bewegten Zeit. Zu dieser Zeit hatte der Chor 30 aktive Mitglieder. Sieben Männerstimmen füllten die tiefen Register aus.

Feste Partnerschaften pflegte der Volkschor mit den gleichgesinnten Gesangsvereinen aus Salzhemmendorf, Baunatal, Bönnien und Braunschweig. Der Chor hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das deutsche Liedgut zu erhalten und es den Nachkommen weiterzureichen.

Viele Erfolge bei Sangeswettbewerben, auch weit über die Grenzen Benneckensteins hinaus, brachten dem Volkschor zu weiteren Ruhm und Ehren.

von Jürgen Kohlrausch und Corina Reckling